09. März 2011
| SPEEDSKI
Anfangs März startetet heuer die Speedski-Saison im kanadischen Sun Peaks (British Columbia) anstatt Ende Jänner im franz. Vars. Diese Entscheidung traf die FIS damit normalerweise die Temperaturen höher sind und somit der Schnee feuchter - für uns bedeutet das schneller. Als wir nach dem Überseeflug von Salzburg via Frankfurt in Calgary bei -23°C und eisigen Winden den dortigen Flughafen verliesen schien diese Theorie widerlegt zu sein. Wir hofften dass die Wetterberichte stimmen mögen, denn die Prognosen für Sun Peaks sprachen von milderen Temperaturen.
In den beiden Jahren zuvor flogen wir jeweils nach Kamloops um so am nähesten bei Sun Peaks zu landen. Dieses Jahr landeten wir in Calgary und flogen von Vancouver wieder nach Hause, so dass wir per (Miet-) Auto die Rocky Montains durchqueren konnten und dabei auch die rauhere (Winter-) Seite von Kanada kennen lernten.
Die Verhältnisse in Sun Peaks waren diesmal allerdings nicht so ganz nach unserem Geschmack: entweder schneite es, der Wind blies oder der Nebel zeig herein - manchmal alles zur gleichen Zeit. Aber der Reihe nach:
Donnerstag, 1. Trainingstag:
Gute Pistenverhältnisse aber böiger Wind mit Spitzen bis zu 80 km/h - vom Reglement sind aus Sicherheitsgründen nur 15 km/h erlaubt - also musste das Training nach nur einem Lauf abgebrochen werden. Schade für uns denn es war nicht besonders einfach sich auf den extrem kalten und trockenen Neuschnee einzustellen.
Freitag, 1. Renntag für FIS-WC #1 in Sun Peaks:
Das Wetter war eigentlich sehr schön, allerdings hatten sowohl Gerhard Peer als auch ich Probleme damit sich auf die Schneeverhältnisse einzustellen. Besonders ich kam auch nie wirklich ins "fahren" und hatte schon am Start nie das Gefühl dass das eine Fahrt zu etwas Großartigem werden könnte - wie ich es glücklicherweise sonst schon oft hatte.
Stefano Bar (ITA) konnte das Rennen mit 158,88 km/h für sich entscheiden, ich kam mit 156,94 km/h auf Rang 3 und Gerhard erreichte mit 156,26 km/h den 5. Rang.
Samstag, 2. Renntag für FIS-WC #2 in Sun Peaks:
Als wir am Vortag mit der Präparation der Ski fertig wurden war klarer Himmel und das lies uns auf einen wunderbaren Renntag hoffen. Die Realität kam anders. Es schneite extrem - bis zu 10cm in der halben Stunde. Als sich dann die Jury entschied das Rennen planmäßig durchzuziehen ahnte ich schon schlimmes. Von der Pistenraupe waren schon gar keine Spuren mehr zu sehen als mit dem 1. Lauf von 3 geplanten für diesen Tag begonnen wurde. Da ich eine breitere Hocke fahre als die (meisten) Konkurrenten half mir das ausgefahren werden der Ideallinie auch nicht sehr viel und somit trat für mich das Rennen in den Hintergrund und ich genoss - mehr oder weniger - das Tiefschneefahren mit über 150 km/h.
Die Plätze 1 und 2 gingen wie am Vortag an dieselben und Stefano gewann mit 156,44 km/h. Lediglich mein schweizerischer Kollege Reto Eigenmann und ich tauschten die Plätze so dass auf den 3. kam und ich mit 153,47 km/h auf den 4. knapp vor "Vereins-Kamerad" Gerhard Peer der mit 152,94 km/h wie am Vortag den 5. Rang erreichte.
Sonntag, 3. Renntag für die "Subaru Velocity Challenge":
Nach zwei "Niederlagen" wollte ich versuchen die Velocity Challenge - das wichtigste Speedrennen in Nordamerika - zum dritten Mal in Folge für mich zu entscheiden. Dafür waren an diesem Tag bei schönen Wetter drei Läufe vorgesehen. Diesmal war es aber nicht sehr kalt sondern das Thermometer kletterte von Mitte der Woch bis zum Wochenende von -15°C bis an die Null-Grad-Grenze so dass wiederum mit dem Wachs ganz anders verfahren werden musste. Für den dritten Lauf hatte ich (endlich) die richtige Mischung gefunden und ich war voller Zuversicht dass ich an diesem Wochenende doch noch einen Sieg einfahren kann - wenn es nur nicht ein Freiluftsport wäre ;-) Kurz vom dem Start zur letzten Serie zog der Nebel herein und so wurde ein Fahrer nach dem anderen, je nachdem ob etwas Sicht war oder nicht, heruntergelassen. Als ich am Start stand hatte ich dieses Gefühl des Siegens zum ersten Mal an diesem Rennwochenende und ich spürte dass meine Salomon-Ski extrem schnell waren - allerdings sah ich auch dass nach dem Zielsprung (eigentlich eher ein letzter Geländeübergang der bei hohen Geschwindigkeiten zum Sprung ausartet) die "Nebelsuppe" auf mich wartet. Zu diesem Zeitpunkt war mir das aber noch egal, denn ich hatte bereits 9 Läfe auf dieser Piste absolviert und kannte somit jeden Zentimeter. Also gings mit Vollgas weg vom Start, hin zum ersten Übergang wo ich schon leicht abhob und ich mich bestätigt fühlte dass die Ski schnell waren.
Dann der Zielsprung - plötzlich keine Sicht mehr im Nebel, alles nur noch weiß und orientierungslos. Als ich dachte bereits über die Ziellinie gefahren zu sein leitete ich wie üblich den Bremsvorgang ein und sah ganz überrascht dass der "Strich" erste in 10...20 m kommt - verdammt - wieder rein in die Hocke und dabei dachte ich mir: "Eigentlich bin I verruckt. Mit dem Auto beim Nebel fahr I nia und nimma 160, owa mit de Ski scho". Als ich dann tatsächlich über den Zielstrich fuhr übersah ich beinahe noch die Kompression und letzlich war ich froh gesund im Ziel zu stehen. Des Resultat war für mich dann eher Nebensache. Trotzdem freute es mich mit 159,49 km/h noch als 3. auf das Stockerl geschafft zu haben. Gewonnen hat der Schwede Sebastian Lindblom mit 161,12 km/h. Mein Kollege Gerhard war sehr konstant und wurde zum dritten Male an diesem Rennwochenende 5. - diesmal mit 155,25 km/h, weil er beim Wachsen einen Versuch wagte und leider ging der Schuss nach hinten los da die Temperaturen so stiegen. Jetzt wissen wir beide wenigsten dass das Versuchte bei diesen Verhältnissen nicht ideal ist .
Nach dem 3-fach-Sieg des Vorjahres war ich nicht ganz zufrieden mit dem heurigen Abschneiden, aber es hat Spass gemacht wieder in Kanada gewesen zu sein. Positiv kann resumiert werden dass der SC Waidring als der erfolgreichste "Downhill-Verein" hervorging .
Interessant fand ich auch den Wiedererkennungswert der Steinplatte, denn ich wurde von mehreren Touristen aus Deutschland und (Ober-) Österreich, die zufällig in Sun Peaks waren ,auf meine Heimat angesprochen: "Wo kann man denn auf der Steinplatte so schnell Ski fahren?" war meiste derselbe "Anmachspruch" den ich zu hören bekam. Nachdem ich daraufhin erklärte dass es zwar nich so schnell geht, aber zum Trainieren auf den perfekten Pisten reicht bin ich gespannt ob nächsten Winter manch bekannte Gesichter in Waidring auftauchen werden.
Diesen Artikel weiterempfehlen: